Abschaffung von Kinderarmut in der EU
Kinderarmut in Europa ist kein Naturgesetz – sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen. In der Europäischen Union wächst fast jedes vierte Kind in Armut oder an ihrer Schwelle auf. Rund 20 Millionen Kinder sind betroffen. Gleichzeitig wächst der Reichtum weniger immer weiter. Diese Ungleichheit ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Politik, die Vermögen schützt, während sie Armut nur verwaltet.
In vielen EU-Ländern reicht Arbeit längst nicht mehr zum Leben. „Armut trotz Arbeit“ ist zur europäischen Realität geworden. Millionen Eltern verdienen zu wenig, um ihren Kindern ein sicheres und würdiges Aufwachsen zu ermöglichen. So wird soziale Ungleichheit von Generation zu Generation weitergegeben. Wer Kinderarmut bekämpfen will, darf die Armut der Eltern nicht ignorieren. Die Europäische Kindergarantie sollte genau hier ansetzen. Doch bislang bleibt sie hinter ihren Versprechen zurück. Ohne existenzsichernde Löhne und eine gerechte Steuerpolitik bleibt sie Symbolpolitik. Die Entwicklung in der EU zeigt klar: Selbst bei sinkender Arbeitslosigkeit steigt die Armut. Erwerbsarbeit schützt viele Menschen nicht mehr vor sozialer Ausgrenzung – und ihre Kinder auch nicht.
Europa braucht deshalb einen echten Kurswechsel. Eine armutsfeste Kindergrundsicherung muss zum gemeinsamen europäischen Standard werden: mit einem universellen Kindergeld, gezielten Zuschlägen für einkommensarme Familien sowie der Übernahme zentraler Kosten wie Wohnen, Energie und Bildung. Kein Kind darf ausgeschlossen werden, weil seinen Eltern das Geld fehlt. Doch soziale Gerechtigkeit bedeutet mehr als finanzielle Unterstützung. Alle Kinder in Europa müssen Zugang zu guter Bildung, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe haben – unabhängig vom Wohnort oder Einkommen der Eltern. Gebührenfreie Kitas und Schulen, ein starker öffentlicher Nahverkehr und gut ausgestattete Freizeit- und Kultureinrichtungen sind dafür entscheidend. Um das zu finanzieren, braucht es Mut zur Umverteilung auf europäischer Ebene. Große Vermögen und Konzerngewinne müssen stärker besteuert werden. Ein soziales Europa entsteht nicht von selbst – es muss politisch erkämpft werden.
Kinderarmut ist ein europäischer Skandal. Aber sie ist auch lösbar. Für ein Europa, das Reichtum teilt statt Armut verwaltet – und allen Kindern die gleichen Chancen gibt.

