Martin Günther Rede haltend

SMR: Europa darf Energiewende nicht von technologischem Hype bestimmen lassen

Die angekündigte EU-Strategie zu kleinen modularen Reaktoren (SMR, „Mini-Atomkraftwerke“) kommentiert Martin Günther, Europaabgeordneter für Die Linke und Mitglied der Ausschüsse ENVI und ECON wie folgt:

„Kleine modulare Reaktoren werden derzeit als angebliche Wundertechnologie verkauft. In Wahrheit sind sie weder eine schnelle noch eine klimafreundliche Antwort auf die Klimakrise. SMR sind weitgehend unerprobt, extrem teuer und werden selbst nach optimistischen Einschätzungen frühestens in den 2040er Jahren einen nennenswerten Beitrag zur Stromversorgung leisten können – viel zu spät für die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen.

Die grundlegenden Probleme der Atomenergie verschwinden auch unter dem Etikett ‘modular’ nicht: radioaktiver Abfall über Jahrtausende, Sicherheitsrisiken, hohe Bau- und Betriebskosten sowie massive staatliche Subventionen. Im Gesamtsystem sind SMR weder wirtschaftlich noch eine verantwortungsvolle Klimastrategie.

Der Fokus auf neue Atomprojekte droht die Energiewende zu verzögern, statt sie zu beschleunigen. Jeder Euro, der in SMR fließt, fehlt beim schnellen Ausbau erneuerbarer Energien, bei Energieeffizienz, Speicherlösungen und intelligenten Stromnetzen – also genau bei den Technologien, die bereits heute Emissionen senken und Versorgungssicherheit schaffen.

Angesichts der Klimakrise müssen wir uns ehrlich fragen: Investieren wir in teure, riskante Technologien mit ungewissem Nutzen – oder in Lösungen, die nachweislich funktionieren? Für eine klimafreundliche und bezahlbare Energiezukunft braucht Europa vor allem einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien, eine Senkung des Energieverbrauchs und eine sozial gerechte Transformation unseres Energiesystems.“