Menschenrechtsverletzungen in Tansania während IPU-Tagung
Die Verschleppung von Maasai während der IPU-Tagung in Tansania kommentiert Martin Günther, Mitglied der Delegation für die Beziehung zum Panafrikanischen Parlament, wie folgt:
„Während in Arusha internationale Delegierte darüber beraten, wie Demokratie, Menschenrechte und politische Teilhabe gestärkt werden können, werden dort offenbar gleichzeitig Angehörige der Maasai festgenommen und verschleppt. Dass vier Menschen unter einem Vorwand in ein Krankenhaus gelockt, festgenommen und anschließend an einen unbekannten Ort gebracht worden sein sollen, ist zutiefst besorgniserregend. Besonders befremdlich ist, dass dies ausgerechnet während der IPU-Tagung und in Anwesenheit internationaler Delegierter geschieht.
Der Umgang der tansanischen Behörden mit kritischen Stimmen und insbesondere mit marginalisierten Bevölkerungsgruppen wirft grundlegende Fragen zum Zustand von Demokratie und Menschenrechten in Tansania auf. Ich verurteile das Vorgehen der Regierung aufs Schärfste. Ich fordere die tansanischen Behörden auf, unverzüglich Auskunft über den Aufenthaltsort der vier Betroffenen zu geben, ihre Sicherheit zu gewährleisten und sie umgehend freizulassen.“
Hintergrund:
Vom 5.-9. Oktober 2026 findet die 153. Versammlung der Inter-Parliamentary Union (IPU) in Arusha, Tansania statt. Nach unseren Informationen ereignete sich am Abend des 6. Oktober 2026 in Arusha, dem Austragungsort der IPU-Tagung, ein Vorfall, bei dem vier Personen unter einem Vorwand in ein Krankenhaus gelockt und dort festgenommen wurden. Anschließend sollen sie an einen bislang unbekannten Ort verschleppt worden sein. Seitdem besteht kein Kontakt mehr zu den Betroffenen, und ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Bei den Vermissten handelt es sich um Nangei Meitaya vom Pastoralist Women’s Council (PWC), den PWC-Mitarbeiter Ezekiel Kishau sowie Thadeus Clamian und Salangat Mako.
Seit Jahren ist in Tansania eine zunehmend autoritäre Entwicklung zu beobachten. Kritische Stimmen und oppositionelle Kräfte werden unter Druck gesetzt, während insbesondere die Maasai wiederholt von Menschenrechtsverletzungen und staatlicher Repression betroffen sind. Erst in der vergangenen Woche wurden drei Maasai festgenommen.

