Keine Geschene an die Airline-Lobby: Verbraucherrechte über Profitinteresse

Zu den heutigen Verhandlungen um Fluggastrechte erklärt Martin Günther, EU-Abgeordneter für Die Linke:

„Die geplanten Verschlechterungen bei den Fluggastrechten wären ein Geschenk an die Airline-Lobby und ein fatales Signal für Reisende. Wenn die Entschädigungsschwelle von drei auf vier oder sogar neun beziehungsweise zwölf Stunden angehoben wird, wird bewusst in Kauf genommen, dass ein Großteil der Betroffenen künftig keine Entschädigung mehr erhält. Für die Fluggesellschaften wären Flugzeiten dann kaum mehr als unverbindliche Absichtserklärungen, während die Kosten von Verspätungen auf die Passagierinnen und Passagiere abgewälzt würden.

Dabei hat die Europäische Kommission selbst belegt, dass nur ein Bruchteil aller Flüge überhaupt Verspätungen von mehr als drei Stunden aufweist. Wenn selbst die Daten der Kommission keine Notwendigkeit für eine Verschlechterung der Fluggastrechte erkennen lassen, drängt sich die Frage auf, wessen Interessen hier eigentlich geschützt werden sollen – die der Reisenden oder die der Fluggesellschaften?

Auch die Praxis vieler Airlines, Rück- oder Anschlussflüge zu verweigern, weil ein Teil der gebuchten Reise nicht angetreten wurde, muss endlich beendet werden. Wer einen Flug bezahlt hat, muss ihn auch nutzen können. Das ist in anderen Branchen selbstverständlich und sollte auch im Luftverkehr gelten.

Jetzt kommt es darauf an, dass sich das Europäische Parlament gegenüber den Mitgliedstaaten durchsetzt und weitere Verschlechterungen verhindert. Verbraucherrechte dürfen nicht dem Profitinteresse großer Konzerne geopfert werden.“