Grüner Stahl, Gas: Die EU muss die Weichen neu stellen
Die jüngsten Entwicklungen rund um die Pläne der EU-Kommission zum grünen Stahl sowie die drohende neue Gasabhängigkeit von den USA kommentiert Martin Günther, Mitglied des ENVI-Ausschusses und Abgeordneter des Europäischen Parlaments für Die Linke, wie folgt:
„Die EU muss die Weichen neu stellen. Mit den Vorhaben, keinen umfassenden, verbindlichen Rahmen für grünen Stahl zu schaffen und sich zugleich abhängiger von LNG-Gas, insbesondere aus den USA, zu machen, begibt sie sich in eine gefährliche geopolitische, klimapolitische und wirtschaftspolitische Sackgasse. Das wirkt merkwürdig aus der Zeit gefallen.
Statt 750 Milliarden Euro in einen Gas-Deal mit den USA zu versenken und damit die Energieabhängigkeit der EU von den USA massiv zu steigern, sollte die EU das Geld lieber in den koordinierten Ausbau erneuerbarer Energien samt Speichern und Netzen investieren. Die Abhängigkeit von Gas ist an sich bereits ein Problem, das nicht noch durch zusätzliche Abhängigkeiten von einem einzelnen Staat verstärkt werden sollte – zumal heutige Entscheidungen die Energiestruktur auch viele Jahre später prägen.
Es ist vollkommen klar, dass die EU eine ausreichende Stahlproduktion benötigt. Umso bedauerlicher ist es, dass die EU-Kommission ihre eigene Folgenabschätzung zu grünem Stahl in den Wind schlägt. Die Zukunft des Stahls muss ohne fossiles Gas oder Kohle gestaltet werden. Dass die EU-Kommission hier wider besseres Wissen mit einem völlig unzureichenden Ansatz agiert, ist ein absolutes Armutszeugnis. Wie bei der Energieinfrastruktur gibt es auch in der Stahlindustrie lange Investitionszyklen: Bleibt die EU-Kommission bei ihrem unzureichenden Ansatz, programmiert sie die Art der Produktion für viele Jahre im Voraus.“


